| | Datum ^ | Meldung | | 14.04.03, 15:02 |
Arbeit, die Geld- und Müllberge schafft
Welche bezahlten Jobs sind gesellschaftlich notwendig?
Sinn und Unsinn der ‘Hauptsache Arbeit’ liest sich nirgendwo
besser ab als an der Vielzahl überflüssiger Konsumartikel, die die Regale
überschwemmen. Außer den Herstellern und Werbefachleuten, die daran verdienen,
hat niemand etwas davon.
Hier wird Arbeitskraft vergeudet, während sie in
gesellschaftlich notwendigen Bereichen wie Pflege, Betreuung und Erziehung
fehlt bzw. wo vorhanden, entweder schlecht oder gar nicht bezahlt wird. Die
Arbeits- und Konsumgesellschaft hat sich zum Selbstzweck entwickelt und ihr
eigenes Fundament vergessen. Der Überproduktion sinnlosen Konsummülls steht
die Verarmung immer breiterer Bevölkerungsschichten gegenüber.
Die Krise wird
immer verheerender. Ohne eine Umverteilung der Einkommen von oben nach unten
und eine Ausrichtung der Wirtschaftsweise am gesellschaftlichen Bedarf läßt
sie sich nicht bewältigen.
Die Wachstumskurve liebäugelt mit der Null, die
Konjunkturprognosen sind düster, auf dem Börsenparkett brummt der Bär. Auf den
Märkten sinkt die Stimmung. Allein die Arbeitslosenzahlen verzeichnen
Zuwächse. Die Wirtschaftsforscher brandmarken die Zurückhaltung beim Konsum
als eine der Hauptursachen für die ‘lahmende Konjunktur’. Die Leute kaufen
nicht genug. Sie tendieren zur Beschränkung auf das Nötigste: Nahrung,
Kleidung, Klopapier und Windeln.
Taschentücher sind bereits überflüssig.
Klopapier taugt ebenso gut zur Bekämpfung voller Nasen wie voller Hosen. Die
Anschaffung des neuen Familien-Vans, Fernsehers, Computers und DVD-Players
wird auf nächstes Jahr verschoben. Es sei denn, Aldi hat ein Schnäppchen auf
Lager. Mehr wird sich nicht gegönnt.
Man gibt sich mit dem zufrieden, was man
hat. Man greift häufiger auf die Klamotten im Kleiderschrank zurück. Die
Motten durchleiden eine Hungerkur. Die Notvorräte an Konserven im Keller
werden aufgebraucht , statt Faltencreme kommt Nivea aufs Gesicht. Die neue
Bescheidenheit schädigt die Nachfrage. Wozu wird der ganze Ramsch produziert?
All die schönen PS-protzenden Silberpfeile, Geländewagen und übrigen
Edelschrott-Karossen? All die schönen Pralinen, Schokoriegel und sonstigen
Verdickungsmittel zur zahnärztlichen Nachschubsicherung? All das schöne
Elektronik-Zubehör, die Computer-Spielchen, die Designer-Stereo-Anlagen? Nicht
zu vergessen, die vielen Multiplex-Kinos und Sportarenen, die sie hingesetzt
haben, damit dort plastiktütenweise Popcorn und eimerweise Cola in die
Hohlräume geschüttet wird. Konsumenten, die hier kürzer treten, verhalten sich
wirtschaftlich unverantwortlich.
Weniger Geld in der Tasche? Faule Ausrede! Wo
bleibt die Bereitschaft, sich bis über beide Ohren zu verschulden? Um im
Konsumrausch den Frust zu verdrängen sollte jedes Mittel recht sein. Die
Werbewirtschaft gibt sich alle Mühe, den überflüssigen Ramsch als
lebensnotwendig zu verkaufen. Werbung, wohin das Auge schaut. An den Häusern,
an den Straßenrändern, auf den Autos, auf den Klamotten, in den Zeitungen, in
den Briefkästen und im Fernsehen. Überall ist der Mensch massiven
Bombardierungen mit offenen und versteckten Werbebotschaften ausgesetzt.
Ihr
primäres Angriffsziel ist das Unterbewusstsein. Es soll so verdreht werden,
dass es künstliche Bedürfnisse nach überflüssigen Produkten erzeugt, ein
permanent vor dem inneren Auge aufleuchtendes „Ich muss das haben". Darunter
blinkt kaum lesbar „Ich brauche den Mist nicht". Es wird meistens übersehen.
Ähnlich absurd: An Bahnhöfen ist Tabakwerbung neben Rauchverboten zu
bestaunen. Der Qualm stinkt, das Geld dafür nicht. Die Offensive der
Ramschproduzenten und ihrer Vermarktungsgurus macht vor nichts halt. Sie
fürchten nichts, außer klammen Geldbörsen und Sparsamkeit seitens der
Verbraucher. Gegen dieses Gift hilft keine Marketing-Strategie. Es lähmt die
Konjunktur und kostet (noch mehr) Arbeitsplätze. Nicht auszudenken, wenn diese
Seuche um sich greift und die Menschen sich grundsätzlich nur noch auf das
beschränken, was sie wirklich zum Leben brauchen. Wo soll das hinführen?
Zur
Einstellung der Überproduktion von überflüssigen Waren einschließlich der
dazugehörigen Werbung! Was das an Arbeitsplätzen kostet! Entsetzlich? Nein,
wohltuend! Sie werden endlich als das entlarvt, was sie immer schon waren:
Eine bloße Verschwendung von Zeit, Energie, Material, Gesundheit, Umwelt und
Nerven. Nichts also, dem sich nachzuweinen lohnte.
Vor allem nicht, wenn man an die Rüstungsbranche denkt. Sie ist die
Raketenspitze einer entarteten Konsumwirtschaft, die alles bietet, was der
Mensch garantiert nicht braucht, doch mit dem geizt, was er braucht: Sauberem
Wasser, frischer Luft, gesunder Nahrung, menschenwürdigen, ausreichend
bezahlten Jobs, die dem Allgemeinwohl dienen.
In solchen Bereichen wie Pflege,
Betreuung, Erziehung, Versorgung (z.B. Küche, Gastronomie) Handwerk, Medizin,
öffentlicher Transport (Bus, Bahn), Bildung, Kultur. Die hier verrichtete
Tätigkeit findet weder angemessene Entlohnung noch gesellschaftliche
Würdigung. Weil in dieser Gesellschaft Geld das Ziel von Arbeit ist und
nicht gesellschaftlicher Nutzen. Hauptsache Geld, Hauptsache Arbeit. Gut
leben bleibt einer Minderheit von Begüterten vorbehalten, soziale
Gerechtigkeit ein frommer Wunsch auf dem Papier.
Millionen werden an den Rand
der Gesellschaft gedrängt, Armut breitet sich aus. Dabei gehört nicht viel
dazu, dem Missstand abzuhelfen. Die Einführung einer vernünftigen sozialen
Grundsicherung, eines Existenzgeldes für alle, würde drei Fliegen mit einer
Klappe schlagen: Sie sorgte für soziale Sicherheit, eine gerechtere
Einkommensverteilung und einer bedarfsorientierten Wirtschaftsweise, die
gesellschaftlich notwendige Arbeit in den Vordergrund rückt.
Sie ist das
einzige zukunftstaugliche Konzept. Man darf gespannt abwarten, wann Hartz,
Rürup und andere mit ihren Schlaumeier- und Wichtigtuerkommissionen hier auf
den Trichter kommen. Bisher sorgen sie nur dafür, dass die Besitzstände der
Privilegierten unangetastet bleiben. Sie sind deren Vertreter.
Wohlstandsmüllentsorgung im Oberstübchen |
| 22.03.03, 13:44 |
Gersters Kosten-Nutzen-Kalkül
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster, plant eine betriebswirtschaftliche Ausrichtung der aktiven Arbeitsförderung. Gefördert werden sollen bald nur noch diejenigen, bei denen es sich "lohnt", sie auf Grund der Höhe ihres Arbeitslosengeldes in den Arbeitsmarkt zu integrieren, um der BA Kosten zu sparen. Wer danach der Arbeitslosenverwaltung nicht im wahrsten Sinne des Wortes "teuer" ist, gilt so gut wie nicht mehr als förderungswürdig. Weisungen in diese Richtung werden bislang rein intern von den Landes- an die Bezirksarbeitsämter ausgegeben. Arbeitslosen bleiben sie vorenthalten.
Einer Presseinformation des "Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V." zufolge soll nach Gersters Plänen kaum noch Chancen habengefördert zu werden, wer keine oder nur geringe Ansprüche auf Arbeitslosengeld hat. Vor allem betrifft dies Langzeitarbeitslose, die Arbeitslosen- oder Sozialhilfe empfangen und Arbeitslose, die weder Anspruch auf Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe noch Sozialhilfe haben.
Des weiteren soll durch eine Kürzung der Förderdauer verhindert werden, dass ein Anspruch auf Arbeitslosengeld entsteht. Dies zielt auf Langzeitarbeitslose ab, die z.B. in einer ABM oder Personal-Service-Agentur PSA) beschäftigt werden und anschließend keine neue Beschäftigung finden. Diese "ausgrenzende Förderpraxis" (DGB-Vize U. Engelen-Kefer) soll Gerster helfen, sein für 2003 anvisiertes Sparziel zu erreichen: Den erstmaligen Verzicht der BA auf einen Bundeszuschuss seit 1987 (trotz erwarteten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen in 2003!). 2002 betrug dieser Zuschuss immerhin 5,6 Mrd. €, 3,6 Mrd. mehr als im Haushaltsentwurf ursprünglich veranschlagt.
Ein weiteres Ziel dürfte die Einteilung von Arbeitslosen nach ihrer Verwertbarkeit auf dem sog. "ersten Arbeitsmarkt" sein. Als förderungswürdig wird über kurz oder lang nur mehr erachtet, wer tatsächlich noch halbwegs Aussichten hat, etwas zu finden. Dies trifft allerdings auf immer weniger zu. Indirekt würden Gerster und Konsorten mit dieser Form von Ausgrenzung einräumen, dass der Arbeitsmarkt für zunehmend weniger Arbeitskräfte Platz hat. Und sie würden einmal mehr der Wirtschaft einen Riesengefallen erweisen, in dem sie ihr jede Menge Arbeit abnähmen: Die
Vorauswahl und Qualifizierung verwertbarer Kandidaten, weniger für die
Schrumpfmasse regulärer Arbeitsplätze als viel mehr für den entstehenden
Billiglohnsektor.
Florians Gerstenkorn
|
| 20.02.03, 10:44 |
Wem dient der Staat???
Angeblich uns allen, die wir Staatsbürger sind. Als vermeintlicher Garant von so etwas wie "sozialer Gerechtigkeit" oder "Ausgewogenheit" macht er eine (un-)wirklich gute Figur... auf dem Papier. Die Realität schaut etwas anders aus: Großkonzerne fahren seit Jahren Rekordgewinne ein, zahlen aber praktisch kaum mehr Steuern. Zur Belohnung beglückt sie der Staat auch noch mit Subventionen. Damit ihre Profitquote nach Steuern höher ist als vor Steuern.
Hingegen kommt es für die kleinen Leute immer härter: Sie zahlen immer höhere
Steuern und Sozialabgaben, müssen für weniger Geld mehr arbeiten. Renten, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe werden fortwährend gekürzt.
Die Armut wächst, die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Und Vater Staat hilft kräftig nach. Er spielt die Rolle, die er
seit je her weltweit gespielt hat: Er vertritt die Interessen einer reichen
Minderheit gegenüber der großen Mehrheit der Bevölkerung. Einzig zu diesem Zweck ist der ganze Apparat von besagter Minderheit eingerichtet worden.
Natürlich sind sie bemüht, diese Tatsache, so gut es geht, zu verschleiern. Sie
verkaufen uns staatliche Institutionen (Regierung, Ministerien, Ämter, Behörden
usw.) als unabhängige Instanzen, die indirekt den Volkswillen, also auch die
Interessen der kleinen Leute, vertreten. Sie erwecken gezielt den Eindruck, es
würde mit rechten (=sozial gerechten) Dingen zugehen, wenn nur "charakterlich gefestigte" und "verantwortungsbewußte" Politiker und Beamte die entsprechenden Pöstchen bekleideten.
In Wahrheit macht es kaum einen Unterschied, ob Staatsdiener sich als
"Staatsdiebe" betätigen und ordentlich in die eigene Tasche wirtschaften. Oder ihren Dienst "gewissenhaft" und "verantwortungsbewußt" versehen. In beiden Fällen gehören sie einem Apparat an, der den Reichen Beihilfe zu deren gigantischem Diebstahl leistet. Sie dienen also im Prinzip niemand anderem als den Bonzen. Ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht. Staatsbedienstete, die sich dennoch für die kleinen Leute einsetzen, stoßen auf wenig Gegenliebe bei ihren Vorgesetzten. Sie werden ausgegrenzt und untergebuttert. Wir werden unter allen Parteien so zur Ader gelassen, dass ein Dracula uns noch als Engel vorkommt.
|
| 20.01.03, 20:32 |
Existenzsicherung ohne Arbeit-eine zivilisatorische Notwendigkeit
Die Antwort des "Querkopf" auf die Vorschläge von "UnternehmensGrün" zur Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit
"Querkopf" hat sich das Thesenpapier des UnternehmensGrün-Mitgliedes Matthias Kaiser von der
proDentum GmbH, Berlin ausführlich zu Gemüte geführt. Einige der angeführten
Punkte können wir unterschreiben. Herr Kaiser stellt zu Recht fest, dass das
Zeitalter der Vollbeschäftigung vorüber ist, weil die technische Entwicklung den Bedarf an Arbeitskräften sinken lässt. Stichwort: Rationalisierung. Diese
Erkenntnis ist mindestens so alt wie das Phänomen der Massenarbeitslosigkeit.
Experten, wie der Nürnberger Volksökonom Robert Kurz, sagten den Rückgang des Bedarfs an Arbeitskräften bereits vor über 20 Jahren voraus. Tatsächlich hat bisher keiner der vielbeschworenen zwischenzeitlichen Konjunkturaufschwünge nennenswert zum Abbau der hohen Sockelarbeitslosigkeit beigetragen. Es stimmt, dass Subventionen maroder Industriezweige, wie im Bereich von Kohle und Stahl, diese Entwicklung nicht umkehren können. Es stimmt, dass Politiker und Beamte von den erwirtschafteten Werten der Unternehmen und ihrer Angestellten abhängig
sind. Von der Allgemeinheit bezahlt sind sie dieser gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet. Ihre Aufgabe besteht darin, dem Allgemeinwohl zu dienen. Das sollte man ihnen in Erinnerung rufen. Aus diesem Grund ist nicht einzusehen, warum wir alle noch länger für aufgeblähte Verwaltungsapparate, die nichts als reiner Selbstzweck sind, aufkommen sollen. Allerdings sollten Unternehmer auch ihren Beitrag leisten, in dem Unternehmensgewinne wieder im Sinne des Gemeinwohls investiert werden. Man sollte sich wieder darauf besinnen, dass die Wirtschaft der Gesellschaft zu dienen hat und nicht umgekehrt, wie Oskar Lafontaine in seinem Buch "Das Herz schlägt links" schreibt.
Neben diesen richtigen Ansätzen unterlaufen Herrn Kaiser allerdings mehrere grobe Fehleinschätzungen. Zunächst einmal fehlen weitaus mehr als 4 Millionen
Arbeitsplätze im Sinne von Beschäftigungen mit existenzsichernden Einkommen.
Wenn wir ABM-Kräfte, Umschüler und Billigjobber, die sich mit mehreren kleinen
Jobs über Wasser halten anstatt ihre Ansprüche geltend zu machen, hinzuaddieren, landen wir bei mind. 7-8 Mill. fehlenden Arbeitsplätzen. Berücksichtigen wir jetzt noch die nicht geringe Anzahl an Vorruheständlern kommen wir in den zweistelligen Bereich. Die Leute werden einfach nicht mehr gebraucht. Der Stellenabbau wird sich in den nächsten Jahren erheblich verschärfen. Daran wird auch das von "Wirtschaftsexperten" bemühte "Anziehen der Konjunktur" nichts ändern. Angesichts dieser Tatsache ist es unsinnig, anzunehmen, der Wirtschaft würden in 10 bis 15 Jahren junge Arbeitskräfte fehlen. Beim heutigen Stand der Entwicklung wird es nicht an Arbeitskräften, sondern an Arbeitsplätzen mangeln.
Unser nächster Kritikpunkt betrifft die Bezahlung von Politikern. Im Gegensatz zu Herrn Kaiser sind wir nicht der Ansicht, dass diese zu niedrig ausfällt. Politiker beziehen ihr Einkommen aus mehreren Quellen, da sie in der Regel mehrere Ämter und Positionen wie Aufsichtsratsposten in Unternehmen bekleiden. Von einer derartigen Mehrfachversorgung können Normalsterbliche nur träumen. Wenn unsere "Volksvertreter" im Vergleich zu Wirtschaftsmanagern schlecht wegkommen, besagt das nur, dass letztere maßlos überbezahlt sind.
Kommen wir zum Bild, das Herr Kaiser von Arbeitslosen zeichnet. Er bemüht das gängige Vorurteil vom Arbeitslosen, der sich nutzlos fühlt und mit der Bierflasche in der Hand depressiv vor dem Fernseher hockt. Dies trifft jedoch nur auf eine kleine Minderheit zu. Die Mehrheit ist irgendeiner Form aktiv, jedoch nicht unbedingt nur im Rahmen von Schwarzarbeit und Weiterbildung. Viele leisten Nachbarschaftshilfe, knüpfen soziale Kontakte und engagieren sich im
politischen, sozialen und kulturellen Bereich. Sie beteiligen sich stärker am
Gesellschaftsleben als viele Berufstätige, die sich nur im engen Kreis von
Kollegen, Bekannten und Verwandten aufhalten. Nur weil jemand keiner bezahlten
Beschäftigung nachgeht, heißt das nicht, dass er "nichts tut". Die Vielzahl von ehrenamtlichen Tätigkeiten, die viele neben ihrer beruflichen Tätigkeiten ausüben, mag als Beleg dienen. Ehrenamtliche Arbeit wird übrigens auch in den Bereichen Kindererziehung,- betreuung, Kranken- und Altenpflege, Natur- und Umweltschutz, Kunst und Kultur verrichtet, wenn nicht innerhalb der Familie oder als Freundschaftsdienst erbracht. Diese gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit wird also nicht nur schlecht, sondern größtenteils gar nicht bezahlt. Auf der anderen Seite dürfen sich nicht nur Beamte und Politiker, sondern auch die von Kaiser so titulierten "Jäger und Sammler" fragen lassen, was sie Unentbehrliches für die Gesellschaft leisten. Bei Gastronomen, Nahrungsmittelherstellern, Handwerkern, Ingenieuren, Ärzten oder Lehrern erübrigt sich die Frage. Bei Börsenspekulanten, Immobilienmaklern, Steuerberatern und Werbekaufleuten kommen wir ins Grübeln.
Der Widerspruch zwischen gut bezahlter,gesellschaftlicher,nutzloser Arbeit und unbezahler gesellschaftlicher, unentbehrlicher Arbeit
zeigt die tiefe soziale Krise des gesamten Systems. Sie läßt sich nicht dadurch
lösen, dass man den Bereich gemeinnütziger Tätigkeit der Logik der Gewinnmaximierung unterwirft und in einen Dienstleistungssektor zweiter Klasse umwandelt, so wie es Herrn Kaiser vorschwebt. Die Profitorientierung wird dazu führen, dass die reaktivierten "Jäger und Sammler" Löhne auf Sozialhilfe-Niveau oder kaum darüber erhalten. Davon kann kein Schwein, geschweige denn ein Mensch leben. Schon jetzt gibt es eine hohe Dunkelziffer
"normal Beschäftigte", deren Einkommen so gering sind, dass sie und ihre Familien Anspruch auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt hätten. Niedriglohnarbeit, staatlich subventioniert oder nicht, löst das Problem der Arbeitslosigkeit allenfalls statistisch. Die soziale Misere behebt es nicht. Millionen von "working poor", die in den USA in Suppenküchen anstehen, bezeugen es. Was uns jedoch am meisten an Kaisers Konzept des gemeinnützigen, privaten Dienstleistungssektors stört: "Wer nicht bereit ist, dort tätig zu sein, muss beispielsweise mit Abzügen bei den Sozialleistungen rechnen." Somit haben wir es wieder mit einer Form der Zwangsarbeit zu tun. Da hilft auch nicht die zusätzliche Qualifikation durch ein "training on the job".Wann begreift man endlich, dass Zwangsarbeit jedweder Art kontraproduktiv ist? Sie raubt den Beschäftigten Lebensfreude, Gesundheit und Motivation. Ist Ihnen aufgefallen, dass man auf der Straße kaum noch zufriedene Gesichter sieht?
Eine wirkliche Bekämpfung der Armut funktioniert im Zeitalter des Aussterbens der regulären Beschäftigung unserer Ansicht nach nur über eine Entkoppelung der existenziellen Sicherheit von der Lohnarbeit. Bedeutet: Jedem Menschen sollte von Geburt an eine Grundsicherung bzw. ein Grundgehalt, Existenzgeld, oder wie immer man es auch nennen mag, bezahlt werden. Wenn der Lebensunterhalt von vornherein gesichert ist, wird Arbeit zur freiwillig erbrachten Tätigkeit. Dass dann angeblich niemand mehr arbeiten möchte, ist ein Gerücht, dass durch die hohe Anzahl der Ehrenämter Lügen gestraft wird. Es gibt keinen Menschen, der nicht in irgendeiner Form bereit wäre, etwas für sich und andere zu tun. "Faulheit" und
"Arbeitsunwilligkeit" sind nichts weiter als Produkte der heutigen Zwangsarbeit. Ein Existenzgeld würde in kürzester Zeit für Vollbeschäftigung sorgen. Es würden dort Jobs entstehen, wo man sie braucht: Im sozialen, pädagogischen und ökologischen Bereich. Gesellschaftlich notwendige Arbeit würde endlich angemessen entlohnt. Außerdem würde es zu einer verstärkten Konsumnachfrage führen und damit die Wirtschaft ankurbeln. Ein Existenzgeld erfüllt gleichzeitig die von Herrn Kaiser angesprochene Funktion eines steuerfreien Existenzminimums, welches "Schwarzarbeiter" in die Lage versetzte, sich selbstständig zu machen. Die oft genannte "Gründungsoffensive" könnte starten. Die Finanzierung des
Existenzgeldes liefe einerseits über Einsparungen bei den aufgeblähten
Verwaltungsapparaten. Arbeitsämter und Sozialämter würden genau wie in Kaisers
Konzept überflüssig. Andererseits würden auf alle Einkommen entsprechende
Abgaben erhoben. Es käme zu der längst überfälligen Umverteilung von oben nach
unten. Die materielle und finanzielle Situation der Bevölkerungsmehrheit würde
sich enorm verbessern. Damit sich niemand seinem Beitrag durch Verlagerung des
Vermögens auf Auslandskonten entziehen kann, gilt es, das Ganze auf europäischer Ebene einzuführen. Uns ist bis heute keine Alternative zu diesem Konzept über den Weg gelaufen. Fällt "UnternehmensGrün" etwas Besseres ein? Wir lassen uns
gerne belehren.
|
| 21.10.02, 16:09 |
Der ökologische Fußabdruck ist zu groß
Die Grenzen der Belastbarkeit der Erde sind bereits
überschritten / Studie des WWF
Der Begriff "nachhaltige Entwicklung" entstand unter
dem Eindruck eines Fotos, das Astronauten in den 70er Jahren auf dem Mond
schossen: Der blaue Planet mit seinen weißen Wolken geht über der öden
Steinwüste des Erdtrabanten auf. Jeder, der es sah, spürte: Leben in seiner
Vielfalt hat nur auf diesem einzigartigen Planeten eine Chance. Logische
Konsequenz: Wir müssen mit der einen Erde auskommen, eine andere steht nicht
zur Verfügung.
Da der Mensch von jeher mit begrenzten Vorräten leben
musste, sollte er mit dieser Situation eigentlich gut zurechtkommen. Genau
das tut er aber aus einem einfachen Grund nicht: "Die Menschheit"
existiert nur auf dem Papier. In Wahrheit zersplittert sich die
Weltbevölkerung in Nationen und Provinzen, in Völker und Landkreise, in Städte
und Dörfer, in Familien und vor allen in Unternehmen, von denen jedes
einzelne Element erst einmal auf eigene Rechnung wirtschaftet. Nähert sich ein
solches komplexes System aber seinen Umweltgrenzen, zeigt kein Indikator der
Marktwirtschaft nahende Probleme an. Denn Ökonomen rechnen betriebs- oder
volkswirtschaftlich, nicht ökologisch.
Um diesen globalen Blickwinkel kümmern sich meist nur die
Umweltorganisationen wie der WWF. Um zu wissen, ob die Erde überhaupt noch
ausreicht, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, benötigt man erst einmal eine
einheitliche "Währung". Eine WWF-Studie zieht hierzu schlicht die
Fläche, heran, die ein Mensch benötigt, um all die Dinge zu erhalten, die er
für seinen Lebensstil benötigt.
Aus den Tabellen der Welternährungsorganisation FAO lässt
sich ausrechnen, wieviel pflanzliche Produkte ein Deutscher, ein Mexikaner
oder ein Sudanese benötigt. Dazu gehören nicht nur Lebensmittel, sondern auch
Kleidung aus Baumwolle oder Hanf sowie der Kork, mit dem ein Öko-Fan
vielleicht sein Haus isoliert. Jeder Deutsche benötigt 0,68 Hektar
Pflanzenanbaufläche, ein Neuseeländer sogar drei Hektar, während ein Somali
sich bereits mit 0,11 Hektar begnügt. Der Weltdurchschnitt liegt bei 0,53
Hektar.
Für die Herstellung tierischer Produkte von Leder und Wolle
bis hin zu Milch, Käse und Fleisch braucht jeder Mensch in Uruguay 1,64 Hektar
Weideland, ein Deutscher dagegen nur 0,11 Hektar - der Weltdurchschnitt liegt
bei 0,12 Hektar. Aus dem Pro-Kopf-Verbrauch an Papier und Brenn- oder Bauholz
ergeben sich 0,37 Hektar Wald für jeden Deutschen. Ein durchschnittlicher
Finne aber müsste immerhin 2,36 Hektar Wald besitzen, um seine Bedürfnisse zu
befriedigen, ohne den Wald kahl zu schlagen.
Schwieriger ist der Energie-Fußabdruck zu berechnen:
Liefert Biomasse Energie, nimmt man einfach die Fläche, auf der eine
entsprechende Menge Holz wachsen würde. Bei fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas
und Kohle dagegen veranschlagt man die Fläche, auf der die entsprechende Menge
Holz nachwachsen würde, um die selbe Menge Energie zu liefern. Bei dieser
Rechnung ist der Klima-Effekt mit berücksichtigt, da das Holz beim Wachsen
genau die Menge C02 aufnehmen würde, die der fossile Brennstoff erzeugt hat.
Bei Wasserkraft wird dagegen die Fläche gewertet, die ein Stausee samt
zugehöriger Anlagen bedeckt. Den niedrigsten Energieverbrauch hat Tschad mit
0,03 Hektar "Energie-Fläche" pro Einwohner. Der Weltdurchschnitt liegt
bei 1,12 Hektar. Während ein Deutscher die Energie verbraucht, die auf 3,08
Hektar nachwächst, sind es bei einem Bürger, der Vereinten Arabischen Emirate
7,74 Hektar.
Rechnet man alles zusammen, ergibt sich für "den"
durchschnittlichen Weltbürger ein Fußabdruck von 2,28 Hektar. An der Spitze
liegen die Vereinigten Arabischen Emirate mit 10,13 Hektar, Deutschland
erreicht 4,71, Mosambik, am anderen Ende, nur 0,47 Hektar.
Um die Bedürfnisse, der sechs Milliarden Menschen auf der
Erde zu befriedigen, benötigt man demnach 13,7 Milliarden Hektar. Zur
Verfügung, stehen aber nur rund 11,4 Milliarden. Der Rest ist Ödland, Fels-
und Eiswüste oder Tiefsee und liefert allenfalls einen marginalen Beitrag zur
Versorgung der Menschheit. Der Mensch lebt also demnach bereits heute über
seine Verhältnisse, er verbraucht 20 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde zur
Verfügung stellt. Das funktioniert eine Zeit lang - unter Raubbau-Bedingungen:
die Urwälder werden abgeholzt, die Ozeane überfischt und man pumpt mehr Grund-
und Seewasser ab, als der Niederschlag nachliefert. Sind die Wälder aber erst
einmal abgeholzt und Gewässer wie der Aralsee ausgetrocknet, bricht ein Teil
des Systems Erde einfach zusammen.
Die Erde kann auf Dauer nicht mehr Ressourcen liefern, als
sie produziert. Eine effizientere Technik und der Übergang zu erneuerbaren
Energien können den ökologischen Fußabdruck verringern. Hierfür sollte es
internationale Vereinbarungen mit konkreten Zeitplänen und Maßnahmen geben,
fordern WWF-Experten. Denn die Zeit auf dem blauen Planeten wird knapp.
|
|
|