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Überraschung ! Kostenlose Überstunden für Arbeitnehmer ! Das macht pro Jahr für jeden Arbeitnehmer 100 unbezahlte Arbeitsstunden, im Schnitt also ca. 8,3 Arbeitsstunden pro Monat oder ca. 12 unbezahlte Arbeitstage. Wenn jeder Arbeitnehmer also auf 12 Tage seines Jahresurlaubs verzichtet, braucht er keine kostenlosen Überstunden zu schrubben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat für 2000 1,85 Milliarden und für 2001 1,9 Milliarden bezahlte Überstunden von Arbeitnehmern festgestellt. Unbezahlte Überstunden lassen sich nur schwer schätzen, da sie auf keinem Gehaltsstreifen erscheinen und außerdem jedem seine persönliche Angelegenheit sind. Gehen wir aber davon aus, daß mindestens genauso viel unbezahlte Überstunden wie bezahlte geleistet wurden, so ist den Unternehmen ein ganz fetter, finanzieller und wirtschaftlicher Vorteil entstanden, über den sich wohl keiner zu beklagen hätte, allenfalls der unbezahlte Arbeitnehmer. Doch der Deutsche Gewerkschaftsbund schätzt, daß durch den Abbau nur allein der bezahlten Überstunden ca. 300.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten oder 600.000, würden auch die unbezahlten abgeschafft. Was also soll dann der Vorschlag von Ludwig Georg Braun ? Er als Präsident des
DIHK weiß sehr genau, daß durch noch mehr
Überstunden keine neuen Jobs geschaffen, sondern im Gegenteil bereits bestehende
vernichtet werden. Und überhaupt, für welche Arbeitnehmer wird denn diese
Vorzugsbehandlung gelten ? Kurz vor der Chefetage dürfte wohl Schluß sein.Bei 4,2 Millionen Arbeitslosen mutet Herr Braun`s Vorschlag etwas sonderbar an. Wer hat denn Vorteile von der freiwillig unbezahlten Überstundenklamotte ? Das Unternehmen oder der Unternehmer, der sich persönlich an der Arbeitskraft seines Arbeitnehmers bereichert. Kaum ein Arbeitnehmer ist nicht freiwillig bereit, wenn Not am Mann ist, Überstunden zu leisten und wenn es sein muß, auch unbezahlt. Doch dies ist vertraglich geregelt. Und auch ein Präsident vom DIHK hat noch nicht soviel Entscheidungsbefugnis, bestehende Arbeitsverträge einfach zu übergehen und zwangsweise Arbeitnehmer zu irgend etwas anderem zu verpflichten. Weder ein Unternehmer noch ein Arbeitnehmer ist ein Wohlfahrtsverein, der etwas zu verschenken hat. Und die eigene Arbeitskraft am allerwenigsten. Ist sie doch das einzige Kapital des Arbeitnehmers, um sie zu verkaufen und mit dem erworbenen Lohn seine Existenz zu sichern. Arbeit ist wertschöpfende Tätigkeit des Individuums und Garant für die Produktion von Gütern jedweder Form, die im Kreislauf von Markt und Menschen für das notwendige Miteinander sorgen. Aber bitte, auf faire Weise. Arbeit ist kein Freifahrtsschein für Ausbeutung, sondern notwendige Existenzgrundlage. Falls Herr Braun seinen Vorschlag tatsächlich ernst meint, so sind wir Arbeitnehmer gern bereit, zu akzeptieren, daß er ab sofort unbezahlt seine Arbeit in allen seinen Ämtern, Posten und Arbeitsverhältnissen verrichtet und die dadurch erwirtschafteten Gewinne zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen freiwillig z. B. dem Bündnis für Arbeit zur Verfügung stellt. Dann sagen wir gerne "Danke, Herr Braun". Ansonsten bleibt es lieber bei "Nein, danke, Herr Braun". |