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Politik und
Journalismus - Die Korruption und ihre Parasiten
Für ein politisches System, das vorgibt, demokratisch zu sein und
sich an den Menschenrechten bzw. dem Wohl der Menschen zu orientieren, ist die
Berichterstattung der Medien von entscheidender Bedeutung. In der westlichen
Welt wird das derzeitige System als das gerechteste beschrieen, das Frieden und
Freiheit in die ganze Welt tragen muss, um dem "Bösen" (momentan ist das der
islamistische Fundamentalismus) den Garaus zu machen. Aber natürlich
funktioniert und funktionierte dieses "Spiel" in jedem anderen System genauso,
auch wenn in der Darstellung nach außen teilweise große Unterschiede herrschen.
Die vermeintlich
unabhängigen Medien garantierten uns, so wird uns jeden Tag weis gemacht,
unverblümten Zugang zu allen Informationen, die eines aufgeklärten Bürgers
würdig seien. Was aber bedeutet unabhängig in diesem Zusammenhang?
Es gibt in Zeitungsverlagen, Rundfunk- und Fernsehsendern konservative,
alternative, linke oder rechte Tendenzen. Alle behaupten, sie seien unabhängig
und keiner staatlichen Zensur oder sonst irgendeiner Einschränkung unterworfen.
Natürlich ist das nicht richtig, weil die Verflechtungen zwischen Journalisten,
Politikern und Wirtschaftslobbyisten sehr engmaschig und die genannten Akteure
jeweils von einander in hohem Maße abhängig sind.
Unabhängigkeit würde bedeuten, dass unabhängig vom politischen System,
unabhängig von kulturellen Werten, unabhängig vom gegenwärtigen Zeitgeist
berichtet werden würde. Das ist momentan in keiner Gesellschaft durchsetzbar,
gerade weil die Abhängigkeit zwischen Medien, Politik und Wirtschaft so groß
ist. Die Menschen innerhalb eines "Wertesystems" sind so abhängig von ihrem
Status in der jeweils angeblich so "sozialen Gemeinschaft", dass ein Ausbrechen
oder auch nur ein vorsichtiges Ausscheren mit dem Ausschluss aus dem
gesellschaftlichen Leben geahndet wird.
Diese unausgesprochene Konsequenz schreckt in den meisten Fällen selbst
diejenigen ab, sich gegen diese Menschen verachtende Praxis zu wenden, die in
der Lage sind, über den engen geistigen Rand der heimischen Medien
hinauszusehen. In Deutschland, wie auch in allen anderen Ländern dieser Erde,
hat die eigene Sicht der Dinge oberste Priorität. In einer Welt, die global
denkende Menschen braucht, um die Zukunft zu sichern, hat ein derartiges Handeln
fatale Folgen.
Die Bürger der jeweiligen Länder sind angewiesen auf die Informationen von
Journalisten. Vor diesem Hintergrund scheint das Vertrauen immer noch sehr groß.
Und selbst wenn dieses Vertrauen nicht vorhanden ist, hat die allseits
eingesetzte Propaganda einen Sogeffekt, dem sich kaum jemand entziehen kann. So
sind wir mittlerweile (wieder) an einem Punkt angelangt, an dem über die Medien
alles gesteuert werden kann ? Selbst ein Angriffskrieg, der gegen die Menschen-
und Völkerrechte verstößt, wird toleriert und verliert letztlich im westlich,
journalistischen Einheitsbrei seine verbrecherische Intention. Die Vereinten
Nationen haben sich im angeblichen Kampf gegen den Terror ihrer Verantwortung
als Wacher über Menschen- und Völkerrechte entzogen. Sie haben sich vor den
Augen der Menschen in aller Welt dem Diktat des Profits gebeugt und sind keine
ernst zu nehmende Instanz mehr für Fragen von Demokratie und Freiheit. Die
Vereinten Nationen nehmen vielleicht nun ihre wirkliche Bestimmung auf:
schmückendes Beiwerk zu sein, um einer schlecht verkappten, diktatorischen
Ideologie den Rücken frei zu halten.
Verbrechen, die im Namen von Demokratie und Freiheit begangen werden, scheinen
in dieser Zeit mehr als je zuvor machbar und vertuschbar.
Die Menschen in allen Ländern dieser
Erde kapitulieren jeden Tag vor der vermeintlichen Macht von Regierenden,
Wirtschaftsbossen oder eben einem parasitären Journalistentum. Wer etwas sagt,
das dem Zeitgeist (heißt: ich bin lieber froh und dumm) widerspricht, wird nicht
vom Staat zur Rechenschaft gezogen, sondern von der gesamten Gesellschaft. Die
Journalisten spielen dabei die entscheidende Rolle: Sie verhindern in dieser
Zeit, dass Fragen gestellt werden, die unter der gekünstelten Oberfläche
kratzen. Und sie sorgen letztlich dafür, dass ihre Adressaten nicht nachdenklich
werden. Journalisten spielen ihre Rolle als Alibiinstanz innerhalb einer auf
Heuchelei ausgerichteten Gesellschaft nahezu perfekt. Ihre Käuflichkeit ist
manchmal schon mit Butterbroten auf Pressekonferenzen gestillt.
In Kürschners Volkshandbuch "Deutscher Bundestag" beschreibt Sönke Petersen
unfreiwillig diesen Zusammenhang: "Abgeordnete und Journalisten befinden sich
(...) in einem symbiotischen Verhältnis: Man lebt von- und miteinander; man
kennt sich, will aber nicht zuviel Nähe; man braucht sich, schätzt einander aber
nicht immer; und: man läuft sich immer wieder über den Weg - im Parlament, bei
offiziellen Pressekonferenzen, bei politischen Stammtischen, bei Empfängen und
auf den Straßen des Regierungsviertels."
Letztlich geht es bei den genannten Akteuren um eine Art Balztanz, in dem
deutlich werden soll, wer am abgebrühtesten vorgibt, etwas zu sagen, das
möglichst wichtig klingt. Da stehen sich so genannte Experten und Politprofis in
Talkshows gegenüber und werden von eitlen Journalisten in Pseudodiskussionen auf
ihre Fähigkeit überprüft, möglichst souverän zu lügen. Diejenigen, um die es
geht, nämlich die Menschen, die vorm Fernseher sitzen und die langweiligen
Wortbeiträge von regelmäßig gezeigten Politikern oder Wirtschaftgurus oder auch
angeblichen Experten ertragen müssen, werden in endlosen, immer wieder kehrenden
Heilsversprechen immer öfter in einen unruhigen Schlaf entlassen. Denn die
Befürchtung, die Politik oder die Wirtschaft oder die Gewerkschaften oder die
Experten wüssten allesamt nicht weiter, verstärkt sich jeden Tag. Und diese
Befürchtung ist begründet. Sie macht den klaffenden Graben deutlich, der
zwischen denjenigen immer größer wird, die hoch bezahlt in
Entscheidungspositionen sitzen und denjenigen, die diese Entscheidungen bezahlen
müssen. Diese Bezahlung definiert sich nicht nur über den finanziellen Faktor,
sondern ist vor allem als Zerstörung menschlicher Existenzen zu sehen. Kein
Journalist stellt Fragen, die die Leere deutlich machen würde, die Politiker in
ihren scheinbar auswendig gelernten Statements zum besten geben, weil er sich
damit selber seiner Karriere berauben würde. Politiker dürfen (um es überspitzt
zu erklären) nach ihrem Lieblingsessen befragt werden, aber nicht danach, wie
lange die Bevölkerung noch an diese Heuchelei glauben soll. Das Nachfragen bei
Politikern oder auch anderen Machtinstanzen bezüglich des eigentlichen Sinns
ihrer Arbeit würde die Bevölkerung - also die Leser, Hörer, Seher - nachdenklich
werden lassen. Erst nachdenklich, dann wütend und schließlich handelnd. Und das
ist es, was die Demokratie der westlichen Welt zu einer Farce werden lässt.
Gäbe es einen Journalismus, der
seriös arbeiten würde, wäre die Bevölkerung der westlichen Welt schon lange und
millionenfach auf die Straße gegangen, um selber die Rechte einzufordern, die
ihnen täglich so schmackhaft gemacht werden. Schon das Einfordern des Rechts auf
Arbeit würde die gesamte deutsche Politik in ihrer peinlichen Hilflosigkeit
erstarren lassen. Die Arbeitslosigkeit als Symbol für den Niedergang eines
kranken Systems frisst sich langsam durch eine deutsche Gesellschaft, die, wie
es scheint, in totaler Lethargie gefangen ist. Der Journalismus ist für diese
Lethargie zuständig. Er gibt vor, eine verantwortliche Instanz zu sein, auf die
sich das Zuschauervolk verlassen kann. Ein böser Trugschluss, der aber langsam
wahrnehmbar wird.
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