Zweikampf der Überflüssigen

Wenn Berater auf Bürokraten treffen

Guter Rat ist teuer: Politiker, Behörden und Unternehmen schließen Millionenverträge mit sog. "externen" Beratern’ ab. Da man sich untereinander kennt, wird häufig auf die vorgeschriebene öffentliche Ausschreibung verzichtet. Dass diese als Papiermüll zu betrachten ist, sollte sich seit dem Skandal um den Abfallunternehmer Trienekens herumgesprochen haben. Wenn jetzt ein öffentliches Theater darüber angestellt wird, so nur deshalb, weil wieder eine bestimmte Personengruppe um ihre Pöstchen fürchtet: Unsere Freunde aus der Verwaltung. Genau sie dürften von den Beratern für überflüssig erklärt werden. Da auch letztere damit keine ganz neue Erkenntnis zum Besten geben, trifft auf sie dasselbe zu.

Glaubt jemand im Ernst, der Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, hätte seinen Hut wegen eines nicht ausgeschriebenen Beratervertrages nehmen müssen? So lautete nur der offizielle Grund zur Nasführung der Öffentlichkeit. Die wahre Ursache liegt ganz woanders. Gerster selbst deutete sie an, als er sich einmal dahingehend äußerte, die Hälfte der Belegschaft der Arbeitsämter sei überflüssig. Sicher meinte er nicht nur kleine Sachbearbeiter/innen, sondern höhere Chargen wie Amts-, Abteilungsleiter u. ä. Die von ihm bestellten und vom Beitragszahler (übermäßig) entlohnten Berater sollten ihm lediglich zeigen, wo. Die Liste mit den Streichvorschlägen dürfte endlos gewesen sein. Unsere Verwaltungsstrategen wurden von Gersters Plänen unsanft aus dem Büroschlaf gerissen. Das tut keiner ungestraft! In der "freien" Wirtschaft darf der liebe Florian so viele Überkapazitäten abbauen, wie er lustig ist. Aber die Bundesagentur für Arbeit ist kein x-beliebiges Privatunternehmen. Die Stellungen unserer Bürokraten sind heilig und unantastbar. Deshalb setzte es die rote Karte von Engelen-Kefer und anderen Interessensvertretern des Verwaltungsfilzes. Dessen Selbsterhaltungstrieb sollte man nicht unterschätzen. Er hat bisher allen Rationalisierungsversuchen widerstanden. Die Berater kümmert es nicht, sie streichen fröhlich ihr Honorar ein. Und das ist üppig:

Recherchen des Politmagazins "Fakt" ergaben, dass die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) seit dem Jahr 2000 Beraterverträger in Höhe von über 50 Mill. Euro abgeschlossen haben. Erneut verdienen McKinsey, Roland Berger und der Rest an Beitragsgeldern. Erneut wandern öffentliche Gelder in private Taschen. Und wozu werden diese überschätzten Verkünder von Binsenweisheiten geraten haben? Na, zu dem, was der Blinde mit dem Krückstock sieht: Das Abspecken der aufgeblähten Verwaltung der AOK. Und natürlich: Beitragszahler dürfen im Krankheitsfall noch stärker hinzuzahlen. Letzteres läßt sich relativ leicht umsetzen. Eine ernsthafte Entbürokratisierung dürfte dagegen auch hier am Widerstand der Bürokraten scheitern. Wehe dem, der es wagt, den Filz zu berühren.

Es hat etwas Ironisches, dass in den genannten Fällen zwei Berufsgruppen aufeinander treffen, die sich in Wichtigtuerei und Scheinbeschäftigung gegenseitig übertreffen. Es braucht nicht zu verwundern, wenn Politiker sich in solchen Kreisen überaus wohl fühlen. Wenn man ihnen mitsamt ihren Beratern einen Rat geben darf, dann diesen: Dass sie sich doch bitte in Wohlgefallen auflösen mögen, um der Allgemeinheit einen wirklich wertvollen Dienst zu erweisen.

Mc Grinsey